Was hat Trauer mit Bogenschießen zu tun?
Doch schon nach dem ersten Kennenlernen und einer Einführung von Herrn Stengel vom Schützenverein Schwieberdingen wurde mit Pfeilen auf die Strohscheiben gezielt. Rasch wurde deutlich, ich benötige eine neue Haltung, ein neues Gefühl für die Situation und den Bogen in meiner Hand, einen neuen Fokus und ein bewusstes Loslassen, um mein Ziel zu erreichen.
In den persönlichen Austauschrunden wurde schnell klar, dass es hier nicht nur um Bogenschießen geht, sondern um eine neue Erfahrung, die alle meine Sinne anspricht und mich auf einen neuen, noch nicht gekannten Weg führt. In der Trauer wie im Bogenschießen gibt es Phasen der Anspannung und des Entspannens, des Festhaltens und des Loslassens, der Enttäuschung und der Freude, beim Versuch angestrebte Ziele zu erreichen. Aber auch die Erfahrung von Suchen und Finden von verschossenen Pfeilen wurde gemacht, wie auch vom Nicht-Finden. Es gab Erfolgserlebnisse beim Treffen in die goldene Mitte und Staunen, wohin der Pfeil fliegt, trotz bester Absichten.
Heraus aus der Enge von Trauer gelangt jedoch nur der, der an den Punkt gelangt, dass er bereit ist, Neues zu wagen und seine Gefühle und Gedanken mit anderen zu teilen. Dass sich Männer in dieser Hinsicht sichtbar schwertun, wurde den Verantwortlichen, Wolfgang Müller von der Kontaktstelle TRAUER im Landkreis Ludwigsburg und Diakon Rainer Schöck vom ökumenischen Trauertreff Schwieberdingen, daran deutlich, dass sich nur wenige Teilnehmer angemeldet hatten.
Dass Männer im Bogenschießen Wege durch die Trauer treffen können, haben alle Teilnehmer erfahren. Ebenso, dass Bogenschießen Spaß machen kann und neue Ziele vor Augen stellt, wurde dankbar angenommen.
Diakon Rainer Schöck, Schwieberdingen